Philosophie

Dialog Körper ist begründet auf einer Philosophie, die den Weg zu einem besseren Verständnis für eine gesunde und selbstbestimmte Lebensweise beim Thema Mensch und seinem Bedürfnis nach Erkenntnis, Empfindung, Bewegung, Zufriedenheit und Selbstentfaltung ansetzt. Allesamt wichtige gesundheitsfördernde und gesunderhaltende Aspekte, die zu mehr Bewusstheit, Kreativität, Offenheit und Sinn im Leben führen.

„Glücklich leben und naturgemäß leben ist eins.“ 

Seneca

Während der folgenden Zeilen können Sie im Detail nachlesen, welches Gesundheitskonzept dem Bildungs-, Bewegungs- und Konsultationsangebot zugrunde liegt genauso wie näheres zu den zentralen Grundbegriffen und der Grundhaltung, auf dem das ständig weiter wachsende Haus Dialog Körper aufbaut, erfahren!

Gesundheits-Konzept

Dialog Körper baut auf einem über Jahre gewachsenen Konzept auf. Um genauer zu verstehen, auf welchem Weg Sie mit Dialog Körper zu Ihrer Gesundheit finden können, lesen Sie die folgenden Zeilen ...

 

„Die Freude ist das vitalste Lebenselement!“ 

Hildegard von Bingen

Grundvoraussetzung

Am Anfang jeglichen Bestrebens steht oft eine Frage, ein Bedürfnis nach Veränderung, ein suchender, offener Mensch, der es mit sich gut meint und sich aktiv weiterentwickeln möchte. Bei Dialog Körper finden sich Menschen zusammen, die genau aus diesen Gründen sich in Ihren Körper vertiefen möchten, um die Zusammenhänge genauer zu verstehen, mit Neugier die eigenen Lebens-, Gesundheitsthemen angehen wollen, die Natur in Ihren Alltag integrieren wollen mit einer größeren Verbundenheit und mehr Respekt, um durch all das das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des Lebens neu zu ergründen und damit das Prinzip von Gesundheit in das eigene Leben auf kompetente Weise zu integrieren.

Im Dialog mit den 4 Körperräumen

Der Weg führt Sie im Rahmen des Dialog Körper - Angebotes in den Dialog mit vier Räumen des Lebens:

  • dem Natur-Körper
  • dem menschlichen Körper
  • dem individuellen Körper
  • dem Gruppen-Körper

Dabei liegt je nach Angebot der Schwerpunkt des Dialoges auf einem bestimmten Körperraum.

Der Natur-Körper

- der Pflanzen-Körper


Über den Dialog mit dem Naturkörper, seine aufmerksame Beobachtung mit allen Sinnen, das bewusste Kennenlernen seiner Eigenheiten und Bedeutung für uns, hält uns die Natur einen Spiegel unseres eigenen Seins vor Augen und hilft uns Wege zur Stärkung zu finden.

Veranstaltungen mit Schwerpunkt "Naturkörper":

» GrünKraft-Kunde (Gesundheitsbildung)

» BAUM-er-LEBEN (Gesundheitsbildung)

» Kreativ Flow Natur (Gesundheitsbildung)

Der menschliche Körper

- die Körpernatur


Über den Dialog mit dem menschlichen Körper eröffnen sich uns neue Einsichten in die bewegte Arbeitsweise des Körpers, um durch ein besseres Verständnis, sein Körperempfinden zu steigern und damit seine Aufmerksamkeit und Zuwendung für den eigenen Körper zu intensivieren.

Veranstaltungen mit Schwerpunkt "menschlicher Körper":

» beWEGte Anatomie (Gesundheitsbildung)

» Natur-Körper-Mensch (Gesundheitsbildung)

» ImPuls-Qigong (Gesundheitsbewegung)

» Qi-Gliding (Gesundheitsbewegung)

Der individuelle Körper

- die Persönlichkeit


Über den Dialog mit dem individuellen Körper mit seiner ganz persönlichen Lebensgeschichte werden einerseits die eigenen Blockaden auf körperlicher wie psychischer Ebene genauso wie aktuelle Gesundheits-Projekte fassbarer, andererseits aber auch die eigenen Ressourcen geweckt und mobilisiert.

Angebot mit Schwerpunkt "Individueller Körper":

» Gesundheitskonsultationen (Prozessbegleitung)

» ImPuls-Qigong Privatlektionen (Gesundheitsbewegung)

» Qi-Gliding Privatlektionen (Gesundheitsbewegung)

Der Gruppen-Körper

- die Gemeinschaft


Über den Dialog mit dem Gruppen-Körper erkennen Sie u. U. eigene Probleme bei anderen, fühlen sich verstanden und erfahren wohltuende Unterstützung der Ihnen zugewandten Gruppe. Über das verschiedenartige Erleben der einzelnen TeilnehmerInnen, wird das Gesamtbild der behandelten Thematik bereichert und vervollständigt.

Angebot mit Schwerpunkt "Gruppenkörper":

» Natur-Körper-Mensch (Gesundheitsbildung)

» BAUM-er-LEBEN (Gesundheitsbildung)

Bildungsweg

Das Angebotsspektrum von Dialog Körper kennt 4 Zugänge, wie Sie in den Dialog zu den oben genannten Körperräumen treten können und damit Bildung und Veränderung erfahren.

Je nach Veranstaltung kann der Fokus auf einem oder mehreren dieser Bereiche liegen, woraus eine Vielzahl von Stärkungswegen für den Menschen entsteht.

Wissens-Impulse

Zu den jeweiligen Themen werden Ihnen wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungswissen anderer Menschen genauso wie das selbst beobachtete und mit der eigenen Erfahrung verbundene verinnerlichte Wissen vermittelt. Dabei liegt der Fokus auf 2 Gebieten:

Dem Natur-/Pflanzenwissen von der botanischen Betrachtung der Wirkstoffe bis hin zum Lebewesen, seiner Gestalt und Signatur genauso wie Anwendungen zur Unterstützung des Menschen.

Dem Körperwissen über Körperliches – Anatomie/Physiologie des Bewegungsapparates, der inneren Organe etc. – bis hin zu psycho-physischen Zusammenhängen und Bewegungsprinzipien.

Wahrnehmung

Über die bewusste Aktivierung der Sinne durch Körperarbeit, durch stille Achtsamkeit mit sich oder seinem Gegenüber werden Eindrücke aus den vier Körperräumen nicht nur aufgenommen, sondern auch weiterverfolgt, innerlich erlebt, die Reaktionen darauf integriert und als Impulse für Veränderung genutzt. Die Sinne als Türöffner für uns und unsere Umwelt, als Möglichkeit unsere Aufmerksamkeit und unser Bewusstsein an jede fokussierte Stelle zu lenken und sie mit Vitalität und Entspannung zu füllen.

Dies führt zu einem vernünftigen und liebevollen Umgang bzw. Verhalten im zwischenmenschlichen Kontakt genauso wie im ökologischen nachhaltigen Denken im Bezug zur Umwelt und schließlich mit sich selbst.

Bewegung

Die Bewegung dient dazu das Erlebte in Form eines Wissens-Impulses, eines Gefühls, eines Gedankens, eines Eindruckes in Fluss zu bringen und am Fließen zu halten primär über eine harmonische, frei fließende, weiche und doch gerichtete Bewegungserfahrung. Dies kann anhand von Übungen oder auch in der Fortbewegung im Gehen geschehen. Damit werden die aufgenommenen Impulse körperlich erlebt, um die körperliche Erfahrung bereichert, miteinander verknüpft und zur persönlichen verinnerlichten Erfahrung, die schließlich von innen heraus etwas bewegen und verändern kann.

Kreativität

Neben den Impulsen von außen, ist es auch wichtig seinem inneren Erleben Raum zu geben und daraus zu schöpfen, und wie ein Angler die kreativen Fische an Land zu holen. Das Gesundheitsthema wird zum individuell einmaligen Weg ausgeformt, mit eigenen Inhalten angereichert. Bezug und Wertschätzung sind der Gewinn.
Der kreative Zugang ist eine Möglichkeit, um tieferes, unbewusstes Wissen auszudrücken, auszuleben und gleichzeitig davon zu lernen. Neue Erfahrungen werden mit vergangenen Erlebnissen verknüpft. Damit wird das Aufgenommene verarbeitet, einsortiert, zu etwas Eigenem gemacht und innerlich verankert. Dadurch wird die Erfahrung zur Lernerfahrung und eine tiefergehende Veränderung möglich.

Bildungsziele

- allgemein

  • 'gesunden' Bezug zu sich selbst, zum eigenen Körper, zum sozialen Umfeld und zum Körper der Natur aufbauen.
  • Integration des Erlernten ins Alltagsbewusstsein.
  • Positive und bestärkende Erfahrungen machen, die einem im Alltag immer wieder aufleuchten, wenn nötig.
  • Veränderung von Einstellungen und Gewohnheiten für einen gesundheitlich zuträglichen Lebensstil.
  • Sich als Mensch und als Individuum weiterentwickeln, um selber am Ruder seines Lebensweges zu sitzen.
  • Über ein neues und erweitertes Körper-, Natur- und Lebensverständnis, ein Stück zufriedener, ausgeglichener, wacher, bewusster, empfindsamer, stabiler, kraftvoller und damit gesünder sein!

Grundbegriffe

Dialog Körper - Dem Leben 'gesund' begegnen

durch bewegt-erlebte Gesundheitsbildung, Gesundheitsbewegung und Prozessbegleitung

Hinter den Worten dieses Leitsatzes verbergen sich sehr wesentliche Grundbegriffe, die Dialog Körper wie folgt definiert:

Dialog – die Voraussetzung

Dialog steht für Kommunikation, für den verbalen wie non-verbalen Austausch zwischen einem selbst und einem Gegenüber, lässt durch das empathische Einlassen auf sein Gegenüber eine Verbindung entstehen, bringt Bewusstsein und somit Licht ins Dunkel sowie Offenheit für Prozesse, die Wandlung und Entwicklung bewirken. Im Dialog sehen wir uns gespiegelt, was uns hilft, uns besser zu erkennen und damit kennenzulernen. Die Bereitschaft zum Dialog ist die Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit.

Körper – das Medium

Unser Körper dient uns als Medium zum Sammeln von Eindrücken über die Sinneswahrnehmung, verbindet sie mit bereits Erlebtem, mit unserem eigenen angelegten Körperwissen und ermöglicht uns über einen kreativen Prozess eine Antwort darauf auszudrücken. Alles was uns geschieht, geschieht auch in uns. Dabei reagieren wir auf Reize, die von unserem eigenen Körper, von anderen menschlichen Körpern oder auch von Natur-Körpern wie die der Pflanzen stammen können.

Bildung – die treibende Kraft

Der Weg zu einem zufriedenen Leben beginnt mit unserem grundlegenden Bedürfnis und Drang nach immerwährendem Lernen, um uns auszurichten, zu bilden, unsere individuelle Persönlichkeit herauszubilden ebenso wie alte und neue Fragen zuzulassen und Antworten darauf zu suchen. Hinter dem Begriff Bildung verbirgt sich daher das angeborene Interesse des Menschen sich in Bezug zu sich selbst auf allen Ebenen stetig weiterzuentwickeln.

Unter Gesundheitsbildung im engeren Sinne ist neben der Vermittlung von Wissens-Impulsen eine Aktivierung der Sinne, körperliches Lernen durch Bewegung und die kreative Verarbeitung der angestoßenen Gesundheitsthemen und die gezielte Auseinandersetzung damit gemeint.

Gesundheit – das Ziel

Was heißt gesund sein? Wann erlebe ich Gesundheit? Wie fühlt sich Gesundheit am eigenen Körper an? Darauf gibt es so viele Antworten wie es Menschen gibt. Denn hier begegnet uns der Mensch in seiner ganzen Vielschichtigkeit als physisches, fühlendes, denkendes und intuitives Individuum. Und dennoch ist klar: all den Menschen mit ihren individuellen Körpern wie auch dem Naturkörper wohnt eine einzigartige Lebendigkeit inne, die sich im Streben nach stetem Bewegungsfluss, in Veränderbarkeit, Anpassungsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit zeigt. Wege aufzuzeigen, wie wir diese Lebendigkeit und damit das sensible dynamische Gleichgewicht unserer Gesundheit aufrecht erhalten können, ist ein wesentliches Anliegen von Dialog Körper.

Bewegung – der Weg

Leben heißt Bewegung – im Äußeren und im Inneren. Wie kann dieses Ziel anders erreicht werden als über das sich Bewegen lassen im Äußeren und im Inneren. Damit Wissens-Impulse nachhaltig etwas in uns bewegen können und uns förderlich sind, müssen sie körperlich über Berührung/Bewegung erfahren und mit Sinneswahrnehmungen, unterstützenden mentalen Assoziationen, Emotionen und der Vorstellungskraft verbunden werden. Das Erlernte wird zu einer persönlichen und wertvollen Erfahrung und dadurch zu einer wunderbaren Quelle für Prozess und Entfaltung. Veränderung im Inneren wie im Äußeren wird spürbar, das weitere Leben davon geprägt.

Vermittlung von Wissen auf diese bewegt-erlebte Art und Weise spricht die linke und rechte Gehirnhälfte gleichermaßen an und lässt uns mit unserem eigenen wissenden Körper in Dialog treten. Über den Dialog wird Bezug geschaffen und damit eine Ebene, die uns zu einem wohlwollenden Umgang mit uns und unserer Umwelt ermutigt: das Samenkorn für eine gesunde und selbstbestimmte Lebensweise.

Prozess - die Herausforderung

Prozesse zulassen heisst Veränderung willkommen heissen. Für niemanden ist dies ein leichter Schritt. Dafür braucht es 2 Dinge: zu wissen, was genau losgelassen werden will und was genau begrüßt werden will! Hier bewegen wir uns sehr intensiv im Bereich der Achtsamkeit und Bewusstheit für sich selbst und für den Ort, an dem man/frau sich gerade befindet. Ist ein derart klarer Raum einmal aufgespannt, können neugierige, kreative Impulse aus dem Unterbewusstsein zu uns vordringen, kann unser beruhigter Geist ein klares Gefühl und damit einen klaren Gedanken fassen, werden Bilder geformt und Themen, Wünsche, Bedürfnisse erkannt und sorgfältig überprüft bzw. reflektiert. Und schon sind wir mitten im Prozess angelangt. An der ureigenen Triebfeder, um unsere angelegten Potentiale weiter zu entfalten.

Gesundheitskompetenz – die Eigenverantwortung

Was heißt im Kontext von Dialog Körper Gesundheitskompetenz?

Bei Dialog Körper entsteht Gesundheitskompetenz aus einem Gemeinschaftswerk von beratender und ratsuchender Person über die einerseits anschauliche, körpernahe Vermittlung von Sach- und Anwendungskompetenz und andererseits über die Bereitschaft aktiv mitzuwirken, um Gesundheits-, Umwelt- und Körperbewusstsein zu entwickeln.

Gesundheitskompetentes Handeln bewirkt, dass sich der Mensch mit Werten, Einstellungen und Meinungen ebenso wie mit Verhaltensweisen, Gewohnheitsmustern und Lebensumständen auseinandersetzt. Die individuellen Prägungen, die sich im Laufe eines Lebens eingravieren bzw. einschneidende Ereignisse im Leben widerspiegeln (Gesundheits-, Krankheitserfahrungen, etc.), sind schließlich die treibende Kraft zur Umsetzung der erworbenen Gesundheitskompetenz in gesundheitsrelevantes Verhalten.

Gesundheitskompetent zu leben heißt auch mit einer großen Portion förderlicher Eigenverantwortung durch das Leben zu gehen. Verbunden mit einem gesunden Selbstwert, der uns das Beste für einen selbst nicht nur vor Augen stellt, sondern es uns auch annehmen lässt!

Grundhaltung

Das Leben eines jeden Menschen ist wertvoll, einzigartig und sinnvoll. Dies bei sich selbst zu erkennen und gebührend zu würdigen liegt in unserer Hand und ist ein wichtiges Anliegen von Dialog Körper.

„Tu Deinem Leib etwas Gutes, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ 

Tibetische Weisheit

Für einen dem Menschen gesundheitszuträglichen Lebensstil ist es wichtig, seine Ressourcen als Quellen der Kraft zu entdecken, damit selbstbestimmt umgehen zu lernen und sich ihrer in Situationen der Schwäche, Unmut oder Krankheit zu besinnen. Doch dies ist leichter gesagt als getan. Um seine Gesundheitsquellen für sich nutzen zu können, ist es wichtig, eine größere Bewusstheit für sich und seine Umgebung zu entwickeln, den Bewegungsfluss in all seinen Facetten im körperlichen, geistigen und emotionalen Bereich genießen zu lernen und sich zu öffnen für den Moment, der durch die achtsame Bewegung, das Innehalten erst greifbar wird.

„Die leisen Kräfte sind es, die das Leben tragen.“ 

Romano Guardini

In der Stille des geschenkten wohligen Moments beginnt im Menschen der kreative Fluss zu pulsieren, sich wie eine Spirale herauszuwinden und in Bildern der Bewegung, der Sprache, des Staunens, des Erkennens und Verstehens Gestalt anzunehmen. Ein Zustand, der uns zum Dialog drängt mit unserer inneren Natur genauso wie mit der uns umgebenden äußeren Natur.

„Wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, ist seelisch bereits tot.“ 

Albert Einstein

Über die spielerisch-kreative und achtsame Herangehensweise, die uns in den Dialog führt, entsteht neben Bewusstheit ein Umfeld von Wohlbehagen und Vertrauen, das das Kind – unser ursprünglichstes und authentischstes Wesen – in uns zu wecken vermag und damit unsere tiefsten Bedürfnisse und Wünsche. Schaffen wir es, uns dieses stärkende Gefühl des erfüllenden ganz Sich-Selbst-Seins immer wieder herzuholen, ist der Weg zur Umsetzung in die Tat nicht mehr weit.

„Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.“ 

George Elliot

Sich selber zu zuhören und ernst zu nehmen, die (Grenz-) Erfahrungen des Lebens anzunehmen mit der Überzeugung das Beste gegeben zu haben und sie als notwendigen Weg für die nächsten, erfrischend neuen und weiterführenden Lernerfahrungen zu begreifen, sind die Voraussetzung für das aktive Gestalten eines sinnerfüllten, zufriedenen und damit gesunden Lebens.

Poetischer Ausklang

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

Hermann Hesse